Das Geheimnis um die Tollitäten der „Löstige Bröder“ wurde bei der Kostümsitzung gelüftet - Prinzessin Emily I. (Bloch) schwingt bis Aschermittwoch das Zepter - Bürgermeister Kunz als Ballett-Tänzer
Kall – Sie wäre am liebsten nicht zur Sitzung gekommen und hätte das Narrenzepter gern behalten, gestand die scheidende Karnevals-Prinzessin des KV „Löstige Bröder“, Uschi Saßmann, am Samstagabend bei der großen Kostümsitzung in der ausverkauften Bürgerhalle. Es sei eine wunderbare Zeit gewesen blickte Saßmann zurück, ehe sie von ihrer Tochter Simone, der Vorsitzenden der Löstige Bröder, mit einem Blumenstrauß verabschiedet wurde. Nachfolgerin von Uschi I. ist Prinzessin Emily I. (Bloch), die Trainerin der Garde „Kallbachmücken“.
Mit der Übergabe des Zepters von Uschi Saßmann an Emily Bloch, und der anschließenden Schlüsselübergabe durch Bürgermeister Emmanuel Kunz, wurde bei den Kaller Karnevalisten ein Generationswechsel vollzogen. War Uschi Saßmann bei ihrer Proklamation mit 70 Jahren die älteste Prinzessin in der Vereinsgeschichte, so ist Emily Bloch mit 21 Jahren die jüngste Tollität der Löstige Bröder. Ihr Motto: „Wenn et Hätz dich röf“.
Die neue Tollität ist seit drei Jahren Trainerin der „Kallbachmücken“, einer Garde, die schon seit mehr als 50 Jahren das Aushängeschild des Vereins ist. Entsprechend groß war der Jubel bei den Mücken, die auch nach der Proklamation ihrer Trainerin nicht auf die 21-Jährige verzichten mussten. Flugs hatte Emily ihr Prinzessinnen-Outfit mit dem Mückenkostüm getauscht, um mit ihren Mädels den Tanz zu präsentieren, den sie über Wochen hinweg mit der Garde einstudiert hatte. Die Tänze der Kallbachmücken wurden vom Publikum mit viel Beifall bedacht.
Die Proklamation von Prinzessin Emily war der Höhepunkt einer Kostümsitzung der Löstige Bröder, die nach vierjähriger Pause wieder in der Bürgerhalle stattfinden konnte. Wie sehr die Kaller darauf gewartet hatten zeigte das große Interesse an Eintrittskarten. „Innerhalb von zwei Stunden war die Sitzung restlos ausverkauft“, berichtete Sitzungspräsident Patrick Züll eingangs des von Literat Ralph Drehsen organisierten, fünfstündigen Programms, das unter dem Motto „Traumschiff Kallida, wieder zurück im Heimathafen“ stand.
Nach der jahrelangen flutbedingten Zwangspause war auch die Musikkapelle Kall als musikalischer Sitzungsbegleiter wieder mit an Bord. Eröffnet wurde der Narrenreigen vom Synchron-Tanzpaar der Löstige Bröder, Merle Schumacher und Eva Hilger. Den Eigengewächsen des Vereins folgte die Büttenrede der über 70 Jahre alte Ex-Lehrerin Anna Bodeweis aus Mönchengladbach, die das Publikum als „Et Röschen von der Hardt“ in Stimmung brachte. „Warum auf den richtigen Mann warten, wen man mit dem Falschen auch viel Spaß haben kann“, lautete ihre Botschaft an ihre Eifeler Geschlechtsgenossinnen.
Die Showtanzgruppe „Sugargirls“ aus dem Bad Münstereifeler Höhengebiet begeisterte mit viele Akrobatik und flotten Tänzen. Die mehr als 30 Tänzerinnen ließen die Bühne der Bürgerhalle erzittern. In den Reihen der Sugargirls tanzen mit Lara Blatt und Jasmin Johanns auch zwei Vorstandsmitglieder der Löstige Bröder mit.
„Male Lache, male weine; Lebbe isse fantastico, nä!“, lautet das Motto des Pseudo-Italiener „Luigi“, alias Stephan Rodefeld, der das Publikum mit Gesang und Komik unterhielt. „Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein“, ist eine Weisheit von Luigi.
Ein großer Teil der Sitzung wurde von vereinseigenen Kräften bestritten. Das Herrenballett „Federwölkchen“ wirbelte über die Bühne. Es zeigte sich, dass die Herren der Schöpfung in den letzten Wochen fleißig den Kommandos ihrer Trainerinnen Simone Saßmann und Elena Friedrichs gefolgt waren. Auch das vereinseigene Damenballett „K(n)allerperlen ließ die Bühne erzittern.
Beifallsstürmes brausen auf, als das Solomariechen der Prinzengarde, Johanna Pütz, über die Bühnenbretter wirbelte und akrobatische Einlagen präsentierte. Erstmals agierte Prinzengardist Michael Knie beim Tanz mit Johanna Pütz als Tanzoffizier.
Mit der Proklamation von Prinzessin Emily und der Schlüsselübergabe durch Bürgermeister Emmanuel Kunz hatte der keinesfalls seine Aufgaben erledigt. Auf ihn warteten die Tänzer des Golbacher Herrenballetts „Golbacher Schwalben“, in deren Reihen Kunz seit Jahren aktiv mittanzt. Und so kam das Publikum bei der Sitzung in den Genuss, einen waschechten Bürgermeister als Ballett-Tänzer zu erleben.
Nachdem die Ripsdorfer Showfanfaren mir ihren beiden Tanzgarden das Publikum unterhalten hatte, und es längst weit nach Mitternacht war, gestaltete die Prinzengarde, die in diesem Jahr zweimal elf Jahre alt wird, einen furiosen Abschluss der Sitzung, indem sie die Kölner Bands „Höhner“ und „Brings“ imitierten und damit die Stimmung im Saal noch einmal auf den Siedepunkt brachten.
(Text/Fotos: Reiner Züll)






